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Lupus und Depression - Lupus beim Kind



Arztvorträge vom 21. November 2009 im Kantonsspital Luzern

Zusammenfassung: Max Hagen

 

Vorbemerkungen:   


Einmal mehr wurde uns, dem SLEV, der Hörsaal vom Kantonsspital Luzern unentgeltlich zur
Verfügung gestellt! Herzlichen Dank.
   
Grosser Dank gebührt auch den Aerzten, Prof. Dr. Stefan Büchi und Frau Dr. Traudel
Saurenmann für die Vorträge sowie Dr. Lukas Schmid und Prof. Dr. Thomas Stoll für die
Moderation, welche alle ohne Entgelt durchgeführt haben!

 

Vortrag von Prof. Dr. med. Stefan Büchi, Kompetenzzentrum Psychosomatik, Privatklinik Hohenegg, Meilen

 

Lupus und Depression


Der Vortrag soll Antworten geben zu folgenden 4 Fragen:

  1. Was sind die spezifischen Belastungen durch SLE?
  2. Welche psychischen Reaktionen gibt es auf Krankheit und Verlust?
  3. Was ist Depression?
  4. Wie kann Depression behandelt werden?



1.    Die spezifischen Belastungen durch SLE sind:

  • Symptome: Müdigkeit, rasche Erschöpfbarkeit, Schmerzen, Lichtempfindlichkeit etc.
  • Unvorhersagbarer Verlauf in Schüben à Gefühl von Kontrollverlust. Lebensplanung inkl. Familienplanung deutlich erschwert.
  • Auswirkungen auf wichtige Rollen und Aufgaben: Mutter, Partnerin, Berufsfrau etc.
  • Sehr selten: SLE-Hirn-Befall mit psychischen Symptomen
  • Verluste (relevante Bezugspersonen, körperliche Intaktheit, Lebensziele, Glaube, Ueberzeugungen, Sozialer Status, Besitz)


2.    Reaktionsmuster bei Krankheit und Verlust    =   Seelenschmerz

  • Traurigkeit
  • Apathie
  • Antriebslosigkeit
  • Selbstwertverlust
  • Perspektivenlosigkeit
  • Lebensmüdigkeit, ev. Suizidalität
  • Müdigkeit
  • Freudlosigkeit
  • Sozialer Rückzug
  • Appetitverlust
  • Schlafstörungen


Der Seelenschmerz ist keine Krankheit und keine psychische Störung!

  • Ist ein universal bei allen Menschen auftretendes Reaktionsmuster bei relevantem Verlust
  • Kann bei Überforderung des Betroffenen zu Depression führen
  • Ist häufig mit Sinnsuche und sozialem Rückzug verbunden
  • Kann ein sinnvolles Loslassen von altem vor dem Beginn eines neuen Lebensabschnittes sein
  • Kann soziale Bindungen verstärken


Analogie zu Körperverletzung mit Schmerz (Schonung, Ruhe, soziale Unterstützung) zusätzlich:  Zeit für Loslassen früherer Bindungen, Ziele und Annahmen.

 

 

Chronische Krankheiten wie SLE sind sehr schwer zu verarbeiten. Sie nehmen einen zentralen Platz ein. Vielfach führt diese Belastung zu einer Ueberforderung. Der Schmerz ist immens. Auch wenn der Lupus immer Bestandteil des Lebens bleibt, kann durch Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Schmerzes eine deutliche Reduktion des Leidensdruckes resp. eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden.

 

12 SLE-Patientinnen nahmen an einer Untersuchung mit Fragebogen und Interviews teil. Die zentrale Frage war:  Wie ist der Zusammenhang zwischen Leiden und der subjektiven Stress-Resilienz (Sense of Coherence = SOC).

 

Der SOC wird als eine relativ konstante Eigenschaft einer Person im Umgang mit äusseren und inneren Belastungen verstanden, welcher folgende Aspekte erfasst:

 

- Verstehbarkeit        Externe oder interne Stimuli sind verstehbar
- Kontrollierbarkeit        Die Person hat Ressourcen um diese Stimuli zu beeinflussen
- Sinnhaftigkeit            Die Anforderungen werden als sinnvolle Herausforderungen erlebt


Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass je höher die Stress-Resilienz ist, desto geringer ist der Leidensdruck und umgekehrt.


3.    Was ist Depression?

Diagnose depressiver Episoden (nach ICD-10):

 

Leitsymptome

  1. Depressive Stimmung
  2. Verlust von Interessen und Freude
  3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit

 

Zusatzsymptome

  1. Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  2. Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  3. Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit (Selbstvorwürfe)
  4. Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  5. Wiederkehrende Suizidgedanken oder –handlungen
  6. Schlafstörungen
  7. Verminderter Appetit


Aetiologisches Modell der Depression (Studium der Ursachen der Krankheit):

  1. Background
    • Persönlichkeit
    • Genetik
  2. Auslösende Faktoren
    • Erlebnisse
    • Krankheit
  3. Vulnerabilitätsfaktoren
    • Maternelle Deprivation
    • Chronische Elternspannungen
    • Soziale Unterstützung
    • Soziale Umstände


Kognitives Modell der Depression:
Depression  → Negative Interpretation der Erfahrung → Veränderung der Gedächtnisfunktion.

 

 

4.    Wie kann Depression behandelt werden?

Depression:  Therapien

 

- Psychotherapie        Kognitive Verhaltenstherapie
- Medikamente        Antidepressiva
- Soziales Umfeld  



Obige Folie zeigt eindeutig, dass die "blosse" Bewertung von Situationen zu sehr negativen Ergebnissen führt. Durch das Handhaben von rationalen Antworten, ergibt sich ein weit besseres Bild (Gefühl), was letztlich unsere Verhaltensweise verbessert.

Darum:    Plane jeden Tag etwas, das gut tut!!!    und halte dies in einem Tagebuch bzw. im Kalender fest.

 

 

Achte darauf, dass die Angehörigen miteinbezogen werden!!

  • Information über Krankheit und Umgang
  • Unterstützung und Entlastung der Angehörigen



Die wichtigste Voraussetzung im Umgang mit chronischem Schmerz oder chronischer Krankheit ist die

            Akzeptanz

  • Interesse an positiven Alltagsaktivitäten
  • Verzicht auf anhaltenden Kampf gegen Schmerz und Krankheit


Die höhere Akzeptanz des Schmerzes führt zu:

  •     geringerer Schmerzintensität
  •     geringerer körperlicher Behinderung
  •     weniger Depression
  •     weniger Arztbesuche
  •     weniger Aengste
  •     geringerem Schmerzmittelkonsum

 


 

Vortrag von Frau Dr. med. Traudel Saurenmann, Leitende Aerztin Pädiatrische Rheumatologie, Kinderspital Zürich


Lupus beim Kind

  •     Etwa 10-15% Beginn <18 Jahre
  •     Vor allem ab Beginn Pubertät
  •     Vor Pubertät selten, vor Kindergartenalter Rarität
  •     Frauenanteil steigt mit Beginn Pubertät deutlich an
  •     Mehr Nierenbefall, mehr Nervensystem-Befall
  •     Weniger Gerinnungs-Störungen (Thrombosen, „Schlägli“)


Untersuchungen haben ergeben, dass Europäer weniger lupuskrank sind als Asiaten und Afrikaner, wo SLE einen hohen Anteil am Total der rheumatischen Erkrankungen.

Was ist bei Kindern und Jugendlichen anders?

  • Wachsender Organismus, Entwicklung
  • Hormon-Situation
  • Längere Lebensspanne
  • Einfluss der Eltern
  • Pubertät
  • Übergang ins Erwachsenen-Alter
      - Selbständigkeit
      - Berufswahl
      - Betreuungswechsel
  • Organe, die empfindlicher sind:
    -    Knochenwachstum, Reifung
    -    Gefässe (Arterienverkalkung)
    -    Nieren ?
  • Organe, die weniger empfindlich sind:
    -    Medikamente besser vertragen
    -    Vor Pubertät: Hoden und Eierstöcke
    -    Immunsystem (Infektionen)


Weibliche Geschlechtshormone fördern Lupus; oft tritt Lupus bei Mädchen mit dem Beginn der Pubertät auf.


Kinder haben eine längere Lebensspanne:

  •     Lebenserwartung steigt laufend
  •     Organe von Kindern noch „unverbraucht“, aber sie müssen noch länger halten
  •     Einfluss der Entzündung:
    • Vorzeitige Alterung
    • Krebs
    • Arterienverkalkung
  •     Einfluss der Medikamente:
    • Cortison
    • Plaquenil
  •     Direkte Schädigung durch zielgerichtete Entzündung (Antikörper)


Kinder brauchen vielfach mehr Medikamente als Erwachsene, aber sie bauen sie viel schneller ab!

Die psychosozialen Besonderheiten sind:

  •     Einfluss der Eltern
    •     Durchführen/Kontrolle der Behandlung
    •     Unterstützung/Behütung
    •     Rechtzeitig „Loslassen“
  •     Pubertät
    •     "gleich"/"normal" sein wie andere
    •     Aufbegehren gegen Vorstellungen der Eltern
    •     Krankheit – Verzögert Reifung und Ablösung
  •     Übergang ins Erwachsenen-Alter
    •     Selbständigkeit
    •     Berufswahl
    •     Betreuungswechsel (Arzt)


Verlauf SLE

  •     Häufiger schwerer Organbefall (Niere, Nervensystem) bei Diagnose
  •     Häufiger schwerer Organbefall in ersten Jahren
  •     Trotzdem
    •     Weniger Nierenversagen (Dialysepflicht) nach 5-10 Jahren Krankheit
    •     Insgesamt weniger Todesfälle oder Krankheit nach 5-10 Jahren


Warum?    Eltern schauen für Kinder!!

  •     Aber: beste Ergebnisse bei Behandlung in spezialisiertem Zentrum!


Neonataler Lupus:
Mutter mit Autoantikörpern SSA
Übertragung der Antikörper von der Mutter auf das ungeborene Kind (ca 15%)
--> Krankheit beim Kind

  •     Herz: Schädigung des Reizleitungssystems
  •     Haut: vorübergehender Ausschlag in ersten Lebensmonaten

Wiederholungsgefahr bei nächster Schwangerschaft


Zusammenfassung:

  •     Kinder sind nicht kleine Erwachsene!
  •     Organismus in Entwicklung
  •     Lupus bei Kindern tendenziell aggressiver!
  •     Mit guter konsequenter Behandlung Prognose trotzdem besser als bei Erwachsenen
  •     Behandlung durch Spezialist verbessert Prognose
  •     Besondere Sorgfalt während Übergang ins Erwachsenenalter wichtig

 

 

 

 

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