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SLE und Bewegungsapparat

Arztvorträge vom 24. November 2012 im Kantonsspital Aarau
Referent: Prof. Dr. Thomas Stoll, Kantonsspital Schaffhausen
(Zusammenfassung: Max Hagen)

 

 

Bei der Analyse der Erstsymptomhäufigkeit bei SLE steht Arthritis und Arthralgie mit sehr grossem Abstand an der Spitze und erreicht heute über 50%! Der Hautbefall bedeutet die 2.höchste Häufigkeit bzw. gut 20%. Alle anderen Symptome wie Nieren (ca. 6%), Serositis (ca. 4%) usw. haben relativ kleine Anteile.

 

Prof. Stoll vertieft heute folgende Gebiete:

 

1. SLE und Arthritis

Am meisten sind die Gelenke betroffen und zwar:

  • PIP-Gelenke (die zwei vorderen Fingerknochen)       40%
  • MCP-Gelenke (der Fingerknochen, welcher den
    Finger mit der Hand verbindet)                                  31%
  • Handgelenke                                                             31%
  • Knie-, Sprunggelenke, Schulter-, Ellbogengelenke
    • Deformierung bei                                             10%
    • Erosionen bei                                                    5%
    • Rheumaknoten bei                                            2%

 

Als Therapie der Arthritis bei SLE wird empfohlen:

  • Basistherapeutika
    • Antimalaria (Plaquenil®)  
    • Imurek®, Methotrexat®, Arava®, ev. Cellcept® bzw. Myfortic® oder Endoxan®, Biologika
    • Steroide systemisch (Einnahme morgens oder ins Gelenk injiziert)
  • Antirheumatika
    • NSAR (Nicht-Steroidale Antirheumatika)
    • COX-2-Hemmer (wie Arcoxia®, Celebrex® ...)

 

Neue biologische Therapeutika:

  • BLys-Antikörper: Belimumab (Benlysta®)
    • 2 Studien:     kann Haut-, Schleimhaut- und Gelenksbefall bessern
  • Abatacept (Orencia®)  
    •  1 Studie:        bessert Arthritis, ev. Serositis
  • Anti-TNFα-Antikörper   
    • 15 Fälle mit ca. 50% Ansprechrate: kann zu Antikörperbildung und SLE führen!!                                                                 

Zu beachten ist, dass erhebliche Unterschiede bei den Kosten dieser Medikamente bestehen. Währenddem für Plaquenil bei 300 mg/Tag Jahreskosten von rund CHF 530 entstehen, kommen Jahreskosten bei Benlysta auf rund CHF 28‘800 zu stehen! Das bedeutet, dass vorgängig immer eine Kostengutsprache einzuholen ist (Gesuchstellung).

 

Mögliche Indikationen für Rituximab (Mabthera®)

  • Nephritis WHO-Klasse 3 und 4, ZNS-Befall
  • Hämolytische Anämie, Thrombopenie, Vaskulitis
  • Pneumonitis, Myokarditis
  • Antiphospholipid-Antikörper-Syndrom
  • Serositis, Arthritis, Hautbefall +

speziell bei Therapieresistenz/Nebenwirkungen

 

2. SLE und Sehnenrupturen (eher selten)

Am meisten ist die Ligamentum patellae (Kniescheibe) betroffen mit 65% der Fälle. Die Achillessehne kommt auf 27%. Bei einem SLE-Verlauf über 10 Jahre kommt es bei 5% der PatientInnen vor.

 

Gehäuft kann es vorkommen bei:

-       Trauma

-       Männern

-       Langzeit-Steroidtherapie

-       Jaccoud‘ Deformität

-       Langer Krankheitsdauer

 

3. SLE und Muskeln

In 40 - 80 % der Fälle von Muskelbetroffenheit sind es Muskelschmerzen und Muskelschwächen. Die Muskelentzündung (Myositis) kommt lediglich in 5 - 10% der Fälle vor und Fibromyalgie (sekundäre) in 1 - 5 %.

 

4. Myositis

Die Therapie der Myositis bei SLE umfasst:

  • Corticosteroide, meist kombiniert mit einem
  • Basistherapeutikum wie
    • Methotrexat®
    • Imurek®
    • Cellcept/Myfortic® in ausgewählten Fällen
    • oder Biologika

 

5. SLE und aseptische Knochennekrosen

Dieses Absterben von einzelnen Knochenteilen kommt bei 5 - 10% der PatientInnen vor. Auslöser können sein: Blutgefässentzündung (Raynaud), Antiphospholipid-Antikörper-Syndrom, schwerer SLE (Nieren-, ZNS-Befall, Serositis, Anämie) und Langzeit-Steroidtherapie.

 

Therapieren lässt sich dies durch:

-       Konservativ mit Analgetika, NSAR oder COX-2-Hemmer usw.

-       oder operativ

 

 

6. SLE und Osteoporose

Der Knochenschwund wird begünstigt durch:

-       SLE-Krankheitsaktivität

-       Langzeit-Steroidtherapie

-       Postmenopause

-       Höheres Alter

-       Körperliche Inaktivität

-       Ungenügende Calciumzufuhr

-       Zusätzlich: ungenügender Vitamin D3-Spiegel

  • daher Lebertran einnehmen!
  • Sonnenlicht bringt Aktivierung (hat aber schwere andere negative Auswirkungen!)

 

Osteoporose-Therapie: Calcium und Vitamin D3

-       1200 mg Calcium/Tag (Milchprodukte/Mineralwasser mit ca. 500 mg Calcium/l)

-       700 - 2000 lU Vitamin D3/Tag zusetzen (empfohlen werden 1‘500)

-       Halbwertszeit Vitamin D3: 3 - 6 Wochen

 

PS: 1 dl Milch = 100 mg, 1 Yoghurt = 300 mg, 100 g Hartkäse = 1‘000 mg Calcium

Gute Vitaminzuführer sind zudem Lebertran, Räucheraal, Lachs, Sardine, Kalbfleisch, Hühnerei usw.

 

Bisphosphonat-Einnahmen sind:

-       Fosomax® bzw. Actonel® bzw. Bonviva®

zu beachten sind :

  • Einnahme morgens unmittelbar nach dem Aufstehen auf nüchternen Magen, mit 1 Glas (2 dl) Leitungswasser hinunterspülen (nicht kauen, nicht lutschen)   → Vorbeugen der Gefahr einer Speiseröhrenreizung
  • Nach Tabletteneinnahme für 45 Minuten nicht hinlegen
  • Einnahme von weiteren Medikamenten, Nahrungsmitteln, Getränken frühestens nach 45 Minuten.

 


 

Wir danken den Referenten herzlich für ihre interessanten, gut verständlichen und mit Humor vorgetragenen Ausführungen. Wir sind auch dankbar für die Beantwortung der vielen individuellen Fragen während und nach den Referaten.

 

Ebenso bedanken wir uns bei den beiden Pharmafirmen, welche mit ihren Sponsoringbeiträgen unsere Kosten gedeckt haben.

 

 

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