Referat von Frau Dr. Petra Otto, Oberärztin Rheumatologie, Kantonsspital St. Gallen, 5. Juni 2004
Hormone und Stoffwechsel beim Systemischen Lupus Erythematodes
Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) ist das stoffwechselaktivste Organ. Es findet eine Rückkoppelung
von der Schilddrüse zum Gehirn statt.Rezeptoren messen die Konzentration von T3 und T4 im Blut.

•Bildung von T3 (Trijodthyronin) und T4 (L- Thyroxin)
••Jod ist essentiell erforderlich (150µg/Tag)
••Speicherung im Thyreoglobulin (Tg)
Was bewirken die Schilddrüsenhormone?
•Wachstum und Entwicklung
•Energieumsatz / Temperaturhaushalt
•Beeinflussung des Nervensystems
•Fettstoffwechsel
•Proteinstoffwechsel
•Wirkung am Herzen
1. Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen bei SLE
Eine Untersuchung in London von 1978 bis 2002 zeigte bei über 300 LupuspatientInnen, dass
SLE – PatientInnen 6 Mal häufiger an einer Schilddrüsen-Unterfunktion leiden als Gesunde.
•SD-Unterfunktion 5,7 %
•SD-Antikörper mit Unterfunktion 68 %
•SD-Antikörper ohne Unterfunktion 14 %
•SD-Überfunktion nicht häufiger
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion
•Müdigkeit, Erschöpfung, Verlangsamung
•Kälteintoleranz
•Haut: trocken, kühl, teigig, Lidschwellung
•„Myxödemherz“: verlangsamter Puls, Herzvergrößerung
•trockenes, brüchiges Haar, Haarausfall
•Muskelschwäche
•Verstopfung
•Zyklusstörungen, Spermienbildungsstörungen
Hashimoto-Thyreoiditis
Thyreoidea = Schilddrüse
Thyreoiditis = Schilddrüsenentzündung
•1912 Erstbeschreibung durch Hakaru Hashimoto
•überwiegend Frauen betroffen
Symptome:
- schleichender Beginn
- Schilddrüse ist klein, normal oder (meist) vergrößert (Struma = Kropf )
- weitere Symptome siehe oben unter Schilddrüsen Unterfunktion

Schilddrüsenvergrößerung (Struma)
Die Diagnose kann durch versch. Methoden gestellt werden:
•das Hormon TSH ist erhöht
•die Hormone FT3 und FT4 sind erniedrigt
•Antikörper gegen Schilddrüsenbestandteile sind vorhanden (TPO-Ak, Tg-Ak)
•mit Ultraschall
•mit Szintigraphie (Kontrastmittelbild)
•durch Feinnadelbiopsie
Therapie
•täglich und meist bis ans Lebensende Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin) mit
Tabletten einnehmen, z.B. Eltroxin
2.Sexualhormone und SLE
•Zyklusunregelmäßigkeiten bei 53% der LupuspatientInnen
•Antikörper gegen Eierstöcke und Gebärmutterschleimhaut
•Frauen: verminderter Östrogen-Spiegel, erhöhtes Prolactin (Hormon, das z.B. Milcheinschuss bewirkt )
•Männer: vermehrtes Progesteron, vermindertes Prolactin (Spermienverminderung)
•Verminderte Spiegel von DHEA (Dehydroepiandrosteron) bei Frauen
•Einfluß der DHEA-Gabe (200mg/Tag) jedoch kontrovers diskutiert
•Was bewirkt DHEA – Gabe? Reduzierte Schubhäufigkeit, kleinere Cortison-Dosierungen
sind möglich. Bei milden Verläufen wirkt es gegen Knochenbrüchigkeit
•Nebenwirkungen: Akne, Hirsutismus (männlicheBehaarung)
Sonstige Auffälligkeiten des Hormonsystems
•Hypogonadismus (Verkleinerung von Eierstöcken/Hoden)
•Kommunikation zwischen Gehirn und Gonaden ist beeinflusst (Hypophysen-Gonaden-Achse)
•gestörte Kommunikation zwischen Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) und Schilddrüse
Entzündung von Hypophyse ( Hypophysitis)
3.Magen-Darm-Beteiligung bei SLE
•Durchfall und Bauchschmerzen im Schub bei 30%
•Gefässentzündung (kann jeden Abschnitt des Magen-Darm-Traktes betreffen)
•Darmarterienvaskulitis
•Dünndarmentzündung (Enteritis) Zwölffingerdarmentzündung ist rel. häufig
•Proteinverlust, Eisen- und Vitaminmangel, Gewichtsverlust
•Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
•Blutungen, Perforation (Durchbruch)
•Bauchfellentzündung (Peritonitis) ist sehr schmerzhaft und bedrohlich = Notfall!
4.Homozystein
•Enzym, das beim Eiweißstoffwechsel entsteht
•erhöhtes Homozystein bei SLE, bei 20 % aller LupuspatientInnen
•ergibt höheres Risiko für Herz – Kreislauf - Erkrankungen (Arterienverkalkung, Herzinfarkt, Schlaganfall, Venen und Arterienverschlüsse)
Therapie wegen erhöhtem Homozystein:
•Ausnahmsweise einfach, preiswert und effektiv:Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12
5.Blutfette und SLE
•mehr Triglyceride = Arteriosklerose ( SLE – Patienten leiden 2 – 3 mal häufiger an Arterienverkalkung)
••LDL-Cholesterin („schlecht“) gleich oder erhöht =Arteriosklerose
••HDL-Cholesterin („gut“) gleich oder erniedrigt = Arteriosklerose
•Unterschiedliche Studienergebnisse
6.Arteriosklerose

Roman, M.J., Cornell University New York, 2003
Untersuchung von 197 SLE-Patienten im Vergleich zu 197 Kontroll-Personen
•Gleiche Risikofaktoren (Gewicht, Diabetes, Nikotin, Cholesterin)
•Blutdruck in der Kontrollgruppe war höher
•Mehr Plaques( = Ablagerungen) in der SLE-Gruppe, doppelt so viel
Roman MJ et al., New England Journal of Medicine, Dec. 18, 2003
Arteriosklerose-Risiko bei SLE
Fazit
•deutlich höheres Risiko
•unabhängig von den üblichen Riskikofaktoren
•Arteriosklerose durch den SLE selbst
•chronische Entzündung ist artherogen
7.Cortison bei SLE
Wann ist es erforderlich?
Niedrig dosiert
•bei milder Krankheitsaktivität
•bei Erhaltungstherapie
Hochdosiert
•bei Organbeteiligung (Niere, Gehirn, Rückenmark, Lunge)
•bei schweren Blutbildveränderungen
•Schwere Allgemeinsymptomatik
Körpereigenes Cortison
•Bildungsort: Nebennierenrinde•Tag-Nacht-Rhythmus: Produktionsmaximum 6-8 Uhr Medikamentöses Cortison deshalb morgens

Medikamentöse Cortisontherapie
•anti-entzündlich
•immunsuppressiv
•Steroidrezeptoren hat es in fast allen Körperzellen
Negative Wirkungen:
•Glukoseproduktion, diabetische Stoffwechsellage
•Fettabbau, Fettumverteilung
•Erhöhter Proteinstoffwechsel
•Pergamenthaut, Gefäßfragilität
•Osteoporose
•Verminderte Natriumausscheidung Bluthochdruck, Ödeme
•Gesteigerte Kaliumausscheidung
Was nun?

Prinzipien der medikamentösen Cortisontherapie:
•im Schub meist hochdosiert z.B. 1 mg Prednison pro kg Körpergewicht oder intravenöse Pulstherapie
•Angestrebte Dosis für die Dauertherapie: 7,5 mg Prednison pro Tag (Cushing-Schwelle)
•Gesamte Dosis morgens einnehmen (Tag-Nacht-Rhythmus)
•Langsame Dosisreduktion (je länger die Therapie, desto langsamer reduzieren) ansonsten: Nebennierenrindenversagen!
Cortison - Steuerung

•Immer (!) Osteoporoseprophylaxe: Kalzium und Vitamin D3 (z.B. Calcimargon D3)
•Knochendichtemessung
•Osteoporosetherapie: Bisphosphonate
(z.B. Aredia, Fosamax, Bondronat)
•Magenschutz bei der Hochdosis-Therapie
8.Nebennierenrindenversagen (Morbus Addison)
•Risikofaktoren bei der Steroidtherapie:
- Dosis wird nicht morgens eingenommen
- dauerhafte intramuskuläre Gabe
- Streßsituationen (z.B. OP), schwere Infekte
- lange Therapie
- zu schnelles oder gar abruptes Absetzen!
Symptome bei Nebennieren – Versagen:
•Schwäche und rasche Ermüdbarkeit
•Niedriger Blutdruck
•Gewichtsverlust
•Übelkeit, Bauchschmerz
•Pigmentierung der Haut
Morbus Addison-Krise:
•Blutdruckabfall
•Kreislaufschock
•Nierenversagen
•Koma
•Intensivbehandlung
••Lebensbedrohliches Krankheitsbild
Wichtiges zum Schluss!
Regelmäßige Kontrollen:
•Schilddrüsenwerte (TSH, FT3, FT4)
•Blutfette
•Homozystein
Daran denken!
•Auf Symptome von Schilddrüsenfunktionsstörungen achten
•Bei anhaltendem Durchfall oder Bauchschmerz an eine Darmbeteiligung denken
•Herz- und Gefäßerkrankungen konsequent behandeln
Cortisontherapie
•Immer: Osteoporoseprophylaxe
••Niemals: Abruptes Absetzen nach
langer Therapiedauer
Die SLEV dankt Frau Dr. Petra Otto ganz herzlich für die riesige Vorbereitung der tollen Powerpoint - Präsentation. Das Referat war, trotz der Fülle der angebotenen Themen, gut verständlich, interessant und lehrreich.Schade, dass so wenige PatientInnen den Weg nach St. Gallen wagten. Sie haben viel verpasst!
Wir freuen uns auf eine weitere gute Zusammenarbeit!
Vielen Dank auch für die Folien, die mir zur Verfügung standen. Es erleichterte mir die Zusammenfassung erheblich.
Mit freundlichem Gruss
Elisabeth Dubach
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