Vortrag von PD Dr. med. C.U.Brand
Zusammenfassung: Simone Schaub
Sonnenlicht, Haut und Lupus
Zusammensetzung des Sonnenlichtes:
UV-Licht 5 %
Sichtbares Licht 75%
Infrarot 20%
UVA-Licht
UVA-Licht geht sehr tief in die Haut und bewirkt eine Sofortbräunung. Deshalb hat es in Solarien hauptsächlich UVA.
UVA bewirkt auch die Hautalterung und ist wahrscheinlich an der Krebsentstehung beteiligt.
UVB-Licht
UVB-Licht ist biologisch 1000 x wirksamer als UVA. Diese Strahlen sind verantwortlich für Sonnenbrand und Krebsentwicklung.
Die Lichteinwirkung ist abhängig von der Wellenlänge des Lichtes, der Uhrzeit, der Intensität und des Hauttypes.
Jeder Mensch hat ein persönliches Sonnenkonto Dies ist abhängig vom Hauttyp und von der Häufigkeit des Sonnenbadens. Aber auch von der Umgebung (Schnee, Wasser, Sand etc.).
Es ist besonders wichtig, dass man bereits die kleinen Kinder schützt. Denn die Haut vergisst nie, und die Schäden kommen meist erst nach ca. 30 Jahren.
Der Lichtschutzfaktor wird wie folgt gemessen:
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MED (mit Sonnenschutz) |
| Lichtschutzfaktor: |
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MED (ohne Sonnenschutz) |
MED: Minimale Erythemdosis
Ein LSF 6 bedeutet also, dass man 6 mal länger an der Sonne bleiben kann. Dies stimmt aber nicht ganz, da in der Regel zu wenig Crème aufgetragen wird.
Wichtig ist, die Crème 15-20 Min. vorher aufzutragen und nach ca. 2 Stunden wieder zu erneuern, v.a. beim Baden, Duschen oder starkem Schwitzen.
Achtung:
Schnee Plus 85%
Sand Plus 25%
Wasser Plus 5%
Wolken Minus 20-90%
Wasser in 50 cm Tiefe Minus 40%
Sonnenschutz sollte aber nicht nur mit Crème sondern auch mit Textilien erfolgen (Hut, Kleider, Brille).
Akute Lichtwirkung
- Sonnenbrand
- Phototoxische Reaktion, z.B. bei Einnahme von Antibiotika
- Lichtallergie: empfindlich auf UVA. Zum Vorbeugen kann man vorher mit UVB vorstrahlen
- Berloque Dermatitis: Bei Benutzen von Kölnisch Wasser kann es an exponierten Stellen zu pigmentierten Streifen kommen
Chronische Lichtschäden
- Vergröberung der Haut
- Erweiterte Gefässe (Licht macht Haut dünn und erweitert dann die Gefässe)
- Einblutungen ? es entstehen blaue Flecken, wenn man sich anschlägt
- Altersflecken
Lichtschäden
Aktinische Keratose
Vorstadien von Hautkrebs
Klinik: flache bis dornartige Keratose auf chronisch lichtexponierter Haut. Wenn die aufstehen, sind sie gefährlich.
Therapie: verätzen
Procedere: Sonnenschutz
Basalion
(Hauttumor)
Aetiologie: chronische UV-Exposition
Genetische Prädispositon
Klinik: Häufigster Hauttumor
90% in chronisch lichtexponierten Arealen am Kopf, langsames Wachstum, fast nie Metastasen
Therapie: Operation und andere Methoden
Spinaliom
Pathogenese: chronische UV-Exposition
Entwicklung aus aktinischen Keratosen
Meist in höherem Alter
Vermehrt bei Immunsupprimierten
Klinik: bricht oft auf
Gibt manchmal Ableger in regionalen Lypmphknoten
Therapie: Ausschneiden
Malignes Melanom
Dies ist der gefährlichse Hautkrebs.
Es gibt eine alarmierende Zunahme der Inzidenz ( Neuerkrankungen pro Jahr) innerhalb der kaukasischen Rasse.
In den USA finden wir die rascheste Anstiegsrate aller Tumore mit 4%.
Inzidenz der Schweiz: 10-12/ 100'000 Einwohner pro Jahr
Therapie: in erster Linie chirurgisch
- Risikogruppen: Keltische Abstammung (rotblonde Haare, helle Augen, helle Haut, Sommersprossen
- Exzessive UV-Exposition; speziell im Kindes- und Adoleszentalter
- Erhöhte Anzahl menalozytärer Nävi (? 50 Muttermale)
- Vorläufer: angeborene Muttermale
Licht und Haut bei Lupuspatienten
1. Chronisch diskoider Lupus erythematodes
- weitgehend auf die Haut beschränkte Form des LE
- selbstlimitiert (hört wieder auf)
- schubartiger Verlauf
- Junge Erwachsene
- Frauen 2-3 x häufiger betroffen als Männer
- Bei ungefähr der Hälfte weisen Autoantikörper im Blut auf eine Autoimmunerkrankung hin
- Übergang in SLE in weniger als 5%
Klinik: bevorzugt Gesichtshautbefall
Unterschiedlich grosse, scharf begrenzte Erytheme
Auslöser: Stress, Traumen, Sonnenbrände oder Kälte
Kann narbigen Haarausfall geben.
Therapie: konsequenter Sonnenschutz? totaler Blocker!
2. Subakut-kutaner Lupus erythemathodes
- Klinik: milde, systematische Symptome: Fieber, Abgeschagenheit, Schwäche
- Typische Hautveränderungen
- Gute Prognose
- Meist erhöhte Lichtempfindlichkeit (v.a lichtexponierte Stellen wie Arme, Schultern)
- Organbeteiligung
- Frauen/Männer: 8-10:1
- Etwa die Hälfte der Patienten erfüllt im Verlauf die Kriterien für einen Systematischen LE, allerdings sind Nieren und ZNS-Befall seltener und milder, so dass die Prognose günstiger ist.
- Oft diffuser Haarausfall
3. Systematischer Lupus erythemathodes
Klinik: schwere, entzündlich-rheumatische Systemerkrankung, die durch Autoantikörper und Immunkomplexbildung entsteht.
Hautbeteiligung und Möglichkeit des Befalls fast aller Organe
Frauen/Männer: 8-10:1
Familiäre Häufung (ca.10%)
Meist junge Erwachsene (um das 30. Lebensjahr)
Auslöser:
- Sonne und Solarien
- Stress
- Medikamente
- Pille
- Schwangerschaft und Wochenbett
- Operationen
- Inektionen
- Impfungen
Vermutete Ursache:
- Erbliche Veranlagung
- Autoimmunerkrankung
- Sonneneinwirkung (geschädigte DNS, gegen die Antikörper gebildet werden)
- Möglicherweise bakterieller Erreger oder Virus
Lichtempfindlichkeitund LE
Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen UV-Bestrahlung und klinischer Manifestation bei Lupuspatienten.
In bis zu 93% der Patienten ist der Nachweis von pathologischer Lichtreaktion (UVA, UVB, sichtbares Licht und Infrarot)
Läsionen werden ausgelöst oder verschlechtert durch UV-Licht. UV-Licht kann systematische Probleme verursachen.
Oft entwickelt sich die negative Folge von UV verzögert.
Ursachen der Photosensitivität
Vieles ist noch unklar.
Keine Abhängigkeit von LE-Subtyp, Autoantikörper oder Krankheitsgeschichte
Ursache wahrscheinlich abnorme Prozessierung und Elmination UV-geschädigter Zellen (geschädigte Zelle bringt sich selbst um)
Prozess:
Zellteilung wird alsfalsch erkannt, Bildung Antikörper, kann Verschlechterung des Krankheitsbildes geben
Realität und Problemlösung
Zwischen 11-15 Uhr nicht an die Sonne, sondern Siesta machen.
Die Haut vergisst nichts. Jeder Sonnenstrahl wird kumuliert und irgendwann ist das Fass voll. Krebs, bzw. ein Schub sind die Folge.
Sonnenschutz ist ein integraler Bestandteil der Lupustherapie!!!!
Fazit: Bleich und trotzdem sommerschön
Anschliessende Fragen aus dem Publikum:
1. Wie ist mit Hautcrème, auf der steht „1x auftragen reicht“?
Solche Sonnencrème haftet besser an der Haut, man sollte sie aber trotzdem öfters auftragen.
Allgemein gilt: Sonnencrème kann einem auch eine „falsche Sicherheit“ geben.
2. Kann man Sandimmun anwenden bei Hautbeteiligung?
Da sollte man eher vorsichtig sein, wenn es sich um eine reine Hautbeteiligung handelt. Eine gute Hautpflege, lokale Steroide, ev. Methodrexat sind empfehlenswerter, da die Nebenwirkungen geringer sind.
3. Reicht Schutz unter Sonnenschirm?
Der Sonnenschirm gibt einem auch eine trügerische Sicherheit. Es kommt auch auf die Qualität des Stoffes drauf an . Ein Sonnenschirm kann ca. 80-90% der Sonneneinwirkung abblocken, aber die Reflektion von unten ist trotzdem da. Also nur in Kombination mit anderen Massnahmen sinnvoll.
4. Muss man Sonnencrème auch bei alltäglichen Aktivitäten, wie Gang zur Arbeit anwenden?
Wenn man möglichst lange eine schöne, gesunde Haut haben will: JA!!
5. Beeinträchtigen Steroide die Hautalterung?
Bei langfristiger lokaler Steroidtherapie kommt es zu einer Verdünnung der Haut, was die Gefässe wiederum erweitern kann. Man sollte die Haut gut rückfetten. Eine trockene und rissige Haut ist viel anfälliger für Infekte.
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