2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002 2001 2000

Hormone und Stoffwechsel beim Systemischen Lupus Erythematodes
Forschungsergebnisse bei Schwangerschaft und Lupus
Arztvortrag "SLE und Bewegungsapparat"
Arztvortrag "Sonnenlicht, Haut und Lupus"



Vortrag von PD Dr. med. Th. Stoll, Chefarzt Rheumaklinik Schinznach
Vortrag vom 22.11.03 im Kantonsspital Luzern
Zusammenfassung: Britta Krismer


SLE und Bewegungsapparat


Der SLE ist eine komplexe Erkrankung mit sehr vielen verschiedenen Gesichtern. Eines dieser Gesichter zeigt sich im Bewegungsapparat. Von PD Dr. med. Th. Stoll hörten wir ein eindrückliches Referat kommentiert mit vielen statistischen Zahlen.


SLE kann man an verschiedenen Symptomen erkennen. Laut der neuesten Statistik finden wir Patienten mit SLE zu 97% positive ANA. Über 80% der SLE-Patienten zeigen im Verlauf eine Arthritis (Entzündung eines Gelenks mit Schmerzen) oder Arthralgie (Gelenkschmerz) oder Myalgie (Muskelschmerz). Bei über 70% der Patienten befällt der SLE im Verlauf auch die Haut.


SLE und Arthritis
Untersuchen wir die Arthritis genauer, so stellen wir fest, dass die Fingergelenke (Hände) am häufigsten befallen sind.
Beim Lupuspatient mit Arthritiserkrankung kommt eine Überlappung von einer Deformation (entzündlichen Befall) und einer Erosion (teilweise Gelenkszerstörung) selten vor.


Ganz wichtig ist es mit einer frühzeitigen Basistherapie anzufangen, um das Fortschreiten des Gelenksbefalles möglichst aufzuhalten. Die entsprechenden Medikamente haben ihre Wirkung erst nach ca. 3-6 Monaten. Eine mögliche Basistherapie sind die Euch sicher bekannten Antimalarika (Plaquenil). Sie wirken auch als Rückfallprophylaxe. Plaquenil senkt auch den Cholesterin-spiegel, wegen möglicher Nebenwirkungen sind alle 3 Monate Blutkontrollen und jährliche Augenuntersuchungen beim Arzt nötig.


Von Herrn PD Dr.Stoll erfahren wir, dass im kommenden Jahr neue Antirheumatika (Medikamente zur Schmerzbekämpfung und Entzündungs-hemmung) auf den Markt kommen sollen, die eine bessere Magen- und Thrombozytenverträglichkeit aufweisen.


SLE und Sehnenruptur
Lupuspatienten haben einen häufigen Sehnenbefall im Bereich um die Kniescheibe (65%) und der Achillessehne (27%). Bei Patienten, die über 10 Jahre an SLE leiden, kommt statistisch gesehen eine Sehnenruptur bei 5% vor. Gehäufte Sehnenrupturen finden wir bei Trauma, Männern, Langzeit-Steroidtherapie, Jaccoud`Deformität, langer Krankheitsdauer und Remission.


Mit dem Ultraschall kann eine Sehnenruptur gut sichtbar gemacht werden. Muskeln und Sehnen bilden eine Einheit. Muskelveränderungen zeigen sich im Blutbild und auch im EMG = Elektromyogramm durch ein pathologisches elektrisches Muskelaktivitätsmuster. Ist die Muskulatur entzündet oder zerstört, so liegt eine Myositis vor. Auch hier kann mit Medikamenten z.B. mit Kortison therapiert und so die Zerstörung der Muskulatur verhindert werden. Ganz wichtig ist hier jedoch, dass der Patient trotz Myositis dosierte körperliche Aktivität betreibt.


SLE und aseptische Knochennekrosen
Aus verschiedenen Gründen können Knochenteile absterben z.B. Teile des Hüftknochens. Dies geschieht bei 5% - 10% der Patienten. Mögliche Auslöser sind:
• Vaskulitis (Raynaud-Syndrom),
• Antiphospholipid - Antikörpersyndrom,
• schwerer SLE (Nieren-, ZNS-Befall, Serositis, Anämie),
• Langzeit-Steroidtheraphie


Auch hier kann mit Schmerzmitteln und Entlastung mit Krücken geholfen werden. Allenfalls muss ein operatives Prozedere durchgeführt werden
.
SLE und Osteoporose
Bei vielen Lupus-Patienten findet ein Schwund der knöchernen Gerüstsubstanz statt, d.h. die Knochen werden porös und brüchig. Begünstigt wird die Osteoporose einerseits durch die SLE-Aktivität und Langzeit-Steroidtherapie, anderseits durch die Postmenopause und das höhere Alter. Sie kann verstärkt werden durch körperliche Inaktivität, ungenügende Calciumzufuhr oder ungenügende Vitamin D3-Spiegel (Aktivierung durch Sonnenlicht).


Ein möglichst frühes Erkennen der Osteoporose ist wichtig. Mit der Densitometrie, einer Röntgenmethode, kann die Knochendichte (T-Wert) abgelesen werden. Mit Abnahme der Knochendichte wird das Risiko des Brechens eines Knochens grösser. Zur Vorbeugung sollte der Patient sich calciumreich (1200mg/d) ernähren. Dies kann schon mit diversen Milchprodukten erreicht werden.


Eine weitere Möglichkeit ist die Einnahme von einem Bisphosphonat (Fosamax oder Actonel). Dabei ist die richtige Einnahmensweise sehr wichtig, um Beschwerden zu vermeiden. Mittlerweilen gibt es heute eine Wochentablette, damit reduziert sich das Einnahmeprozedere. Diese Medikamente reduzieren das Frakturrisiko um etwa 50%.



Zum Schluss möchte ich im Namen aller Zuhörer Herrn PD Dr. Th. Stoll ganz herzlich für diesen gut verständlichen Vortrag danken. Er hat uns einen vertieften Einblick zwischen SLE und unserem Bewegungsapparat gegeben.

NACH OBEN