2012 2011 2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002 2001 2000

Lupus und Wundheilung
Lupus und Haut
Rheumaliga: Stellungnahme Schutzimpung Schweinegrippe
Die Sozialberatung des Inselspitals und ihre Aufgaben
Zentrum für Mütterberatung und Familienplanung bei Rheuma-Erkrankungen
Physiotherapie bewegt...
Ergotherapie
Pflege
Vaskulitis – Rheuma des Gefässsystems
Medikamentöse Therapie bei Konnektivitiden & Vaskulitiden
Warnsymptome bei Konnektivitis & Vaskulitis
Charakteristika einzelner Krankheitsbilder
Konnektivitiden – Entzündungskrankheiten des Bindegewebes
Antikörperdiagnostik
Osteoporose: von der Ernährung bis zur medikamentösen Behandlung



Grundsätze der medikamentösen Therapie bei Konnektivitiden & Vaskulitiden

 

Arztvortrag Inselspital Bern, Patiententag


Die Behandlung einer Konnektivitis oder Vaskulitis sollte der Verantwortung eines erfahrenen Rheumatologen unterliegen. Grössere Zentren, zum Beispiel ein Universitätsspital, haben den Vorteil genügend hoher Patientenzahlen und der damit verbundenen Erfahrung der Kaderärzte in der Betreuung von Patienten mit Konnektivitiden und Vaskulitiden.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Rheumatologe und verschiedenen Spezialisten (Nephrologen, Dermatologen, Augenärzte, Pneumologen, Radiologen...) ist von zentraler Bedeutung.

Unter dem Begriff der Krankheitsausdehnung verstehen wir Anzahl und Art der betroffenen Organe. Als Krankheitsaktivität wird das Ausmass der Entzündungsreaktion in den Organen bezeichnet. Auswahl und Dosis der Medikamente müssen laufend an Krankheitsausdehnung und Krankheitsaktivität angepasst werden. Durch ständiges Anpassen der Therapie an die aktuelle Krankheitsaktivität können die Medikamenten-Nebenwirkungen auf ein Minimum reduziert werden. Klassisches Beispiel sind cortisonhaltige Medikamente (=Kortikosteroide, Gluko-Kortikoide). Sie bilden einen Therapie-Grundpfeiler bei den meisten Vaskulitiden und Konnektivitiden (Ausnahmen: Sklerodermie und Sjögren-Syndrom). Kortikosteroide eignen sich hervorragend dazu, die Krankheitsaktivität rasch herunter zu regulieren. Rascher, oft hoch dosierter Einsatz von Kortikosterioiden kann helfen, schwere Organschäden zu verhindern. Nicht selten wirkt Cortison dadurch lebensrettend. Werden Kortikosteroide zu lange in hoher Dosis gegeben, führen sie zu verstärktem Knochenabbau (Osteoporose), Bluthochdruck, Nebennierenrindenschwäche und erhöhter Infektionsneigung. Das Osteoporoserisiko unter Cortisonbehandlung wird durch gleichzeitige hohe Zufuhr von Kalzium und Vitamin D vermindert. Bei schon vorhanden er Osteoporose steh en heute Medikamente zur Hemmung weiteren Knochenabbaus zur Verfügung (die sogenannten Bisphosphonate).

In der Regel werden von Beginn weg sogenannte „Basistherapeutika“ verabreicht, um Cortison einzusparen. Diese Medikamente wirken weniger rasch als Cortison. Dafür können sie die Entzündungsaktivität und Gewebeschäden unter Vermeidung der Cortisonlangzeitneben-wirkungen längerfristig vermindern.


Nichtsteriodale Entzündungshemmer (NSAID)

Dies sind keine Basistherapeutika, denn sie wirken rein symptomlindernd. Dasselbe gilt für reine Schmerzmittel (Analgetika) wie Paracetamol oder Opiate. NSAID oder Analgetika sind in vielen Situationen wertvolle Ergänzungen und helfen dabei, die Lebensqualität zu erhalten. Bei gleichzeitiger Gabe von Kortikosteroiden und NSAID steigt das Risiko an, ein Magengeschwür zu entwickeln, deshalb werden in solchen Fällen zusätzlich magenschützende Medikamente verordnet.

Zu den seit langem bewährten Basismedikamenten, wie den Antimalarika, Azathioprin, Methotrexat, Cyklophosphamid, Cyklosporin und anderen, sind in den letzten Jahren sogenannte Biologika zur Unterdrückung der Entzündungsreaktion und überschiessenden Immunantwort hinzugekommen. TNF-Alpha-Hemmer (Remicade®, Enbrel®, Humira®) oder Rituximab (Mabthera ® ) werden nicht nur bei der rheumatoiden Arthritis, sondern auch bei Konnektivitiden und Vaskulitiden oftmals sehr erfolgreich eingesetzt.

Bei Vaskulitiden und Konnektivitiden treten auch ganz spezifische Probleme auf, die gezielt angegangen werden sollten. Bei Sklerodermie z.B. können schwere Durchblutungsstörungen an den Fingern und Zehen durch Prostazyklin-Infusionen (Iloprost) gebessert werden. Der ebenfalls bei Sklerodermie vorkommende Bluthochdruck in den Lungenarterien (Pulmonale Hypertonie) wird günstig durch den Einsatz von Bosentan (Tracleer®) und Sildenafil (Revatio®) , beeinflusst.

Die Behandlung von Konnektivitiden und Vaskulitiden erfordert oft den Einsatz mehrerer Medikamente in Kombination über längere Zeit, oft über Jahre. Dem guten Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient kommt deshalb eine sehr wichtige Bedeutung zu. Eine ganz zentrale Rolle bei der erfolgreichen Langzeitbehandlung spielen Aufklärung und Patientenschulung. Am besten beginnen diese schon in den ersten Phasen der Abklärung einer Konnektivitis/Vaskulitis. Im Verlauf sollten Patienten sorgfältig über alle Aspekte ihrer Erkrankung und deren Behand-lungsmöglichkeiten informiert werden. Nur so kann der Betroffene Selbstverantwortung wahrnehmen und in schwierigen Therapieentscheiden kompetent mitwirken. Idealerweise führt ein Patient Buch über seine Erkrankung und weiss genau, mit welchen Medikamenten und in welcher Dosis im Moment behandelt wird. Auch muss der Patient über die wichtigsten Medikamentennebenwirkungen Bescheid wissen sowie informiert sein über die nötigen Blut- und Urinkontrollen.

Wir vom Rheumatologie-Team des Inselspitals sind davon überzeugt, dass sich gute Patientenschulung bei Konnektivitis und Vaskulitis positiv auf Lebensqualität und Langzeitprognose auswirkt. Nicht zuletzt aus dieser Erkenntnis erwächst unsere Motivation zur Organisation des jährlichen Patiententages!

 

NACH OBEN